FolkUp

Präambel

Die Menschheit hatte niemals bessere Werkzeuge, um Wissen zu teilen. Und dennoch ist heute mehr Wissen hinter Schloss und Riegel als je zuvor in der neueren Geschichte. Hinter Abonnementschranken. Hinter Algorithmen, die dem Werbeumsatz dienen und nicht dem Verstehen. Wissen ist in eine Ware verwandelt worden, gemessen in Klicks, nicht in Klarheit.

Das ist eine neue Einhegung.

Vor Jahrhunderten wurden die Allmenden von jenen Menschen abgezäunt, die sie bestellten. Heute geschieht dasselbe mit dem Wissen selbst. Forschung, aus öffentlichen Mitteln bezahlt, verbirgt sich hinter Abonnementschranken. Kulturelles Erbe liegt in proprietären Datenbanken vergraben. Unsere Aufmerksamkeit — die Stunden, verbracht mit Lesen, Suchen, Lernen — ist zum Rohstoff geworden, den man abbaut und verkauft.

Wir lehnen diese Einhegung ab. Und wir bauen etwas Besseres.


Prinzipien

I. Wissen gehört der Menschheit.

Wissen, geschaffen mit staatlichen Mitteln, im Zuge gemeinsamer Forschung und kollektiver kultureller Anstrengung, muss allen zugänglich bleiben. Weder eine Körperschaft noch eine Regierung darf ausschließliches Eigentum an dem beanspruchen, was Gemeinschaften, Forscherinnen und Forscher, Kulturen zusammen geschaffen haben. Wir achten das Recht des geistigen Eigentums und setzen uns zugleich für seine Reform dort ein, wo es dem öffentlichen Interesse nicht dient.

II. Die Aufmerksamkeit ist souverän.

Jeder Mensch hat das Recht, über seine eigene Aufmerksamkeit ohne Manipulation zu verfügen. Systeme, entworfen zur Beschlagnahme der Aufmerksamkeit durch süchtig machende Kreisläufe, durch Anheizen von Empörung oder künstliche Verknappung, verletzen dieses Recht. Souveräne Aufmerksamkeit bedeutet nicht das Recht auf Signalverstärkung und nicht die Freiheit von Verantwortung.

Das Internet wurde für den Dialog erschaffen — damit Menschen Wissen austauschen, Ideen streitig verhandeln und voneinander lernen. Empfehlungssysteme, entworfen zur Maximierung des Engagements und nicht des Verstehens, haben diesen Austausch durch endlosen passiven Konsum ersetzt. Wenn ein Algorithmus entscheidet, was Sie als Nächstes sehen, hört Ihre Aufmerksamkeit auf, souverän zu sein. Sie wird zur Ressource für den Abbau.

III. Schaffen muss dem Nehmen vorausgehen.

Systeme, die nichts hervorbringen, aber alles an sich reißen, zerstören jene grundlegende Übereinkunft, auf der das Gemeingut ruht: bevor du nimmst — leiste einen Beitrag. Eine Informationswirtschaft, die Einhegung höher belohnt als Beitrag, unterhöhlt ihre eigenen Fundamente.

IV. Transparenz ist nicht verhandelbar.

Jedes System, das öffentliches Wissen formt — eine Suchmaschine, eine Inhaltsplattform, ein Empfehlungsalgorithmus — muss der Gesellschaft rechenschaftspflichtig und für unabhängige Prüfung geöffnet sein. Was sich nicht überprüfen lässt, verdient kein Vertrauen.

V. Zugang ohne Überwachung.

Der Preis des Wissens darf nicht der Verlust der Privatsphäre sein. Niemand soll dafür verfolgt, profiliert oder monetarisiert werden, dass er lernt. Lesen ist keine Transaktion. Neugier ist kein Datenpunkt.

VI. Örtliche Weisheit, weltweites Gemeingut.

Kulturelles und gemeinschaftliches Wissen soll Grenzen frei überschreiten und dabei die Achtung vor seinen Quellen bewahren. Die Enzyklopädie eines Dorfes — seine Rezepte, seine Heilmittel, seine Überlieferungen — gehört der Welt. Doch die Welt schuldet dem Dorf Ehrerbietung: mit informierter Zustimmung und unter Beteiligung seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Offener Zugang ist nicht Abbau unter anderem Namen.

VII. Bauen, nicht abreißen.

Wir schaffen Alternativen im Rahmen des Rechts. Wir schleifen nicht, was besteht — wir bauen, was neben ihm bestehen soll. Unsere Werkzeuge sind Transparenz, Zusammenarbeit, offene Standards und die geduldige Arbeit, Wissen zugänglich zu machen.


Was wir beobachten

Die Einhegung ist keine Abstraktion. Sie ist konkret und messbar:

All das sind keine unabwendbaren Folgen der Technik. Es sind Entscheidungen. Und Entscheidungen lassen sich anders treffen.


Unsere Verpflichtungen

Mit der Unterzeichnung der vorliegenden Erklärung übernehmen wir die folgenden Verpflichtungen:

  1. Offen schaffen und teilen. Wo wir Wissen hervorbringen, werden wir es unter offenen Lizenzen zugänglich machen, die Verbreitung, Anpassung und Wiederverwendung erlauben.
  2. Das Recht achten und in seinem Rahmen handeln. Wir rufen weder zu Umgehung noch zu Zerstörung auf. Wir bauen rechtmäßige, tragfähige, offene Alternativen.
  3. Privatsphäre als Zugangsbedingung schützen. Wir werden keine Überwachung als Preis des Wissens verlangen.
  4. Offene Infrastruktur tragen — quelloffene Werkzeuge, offene Standards, offene Protokolle —, die keine einzige Organisation einhegen kann.
  5. Transparenz fordern von Systemen, die öffentliches Wissen formen, und sie in der eigenen Arbeit üben.
  6. Prinzipientreu mit maschinellem Lernen umgehen. Offenes Wissen darf nicht zum Schlupfloch für die attributionslose Ausbeutung durch automatisierte Systeme werden. Wir tragen transparente und gerechte Mechanismen der Regulierung dafür mit, wie Wissen Technik trainiert — Mechanismen, die Autoren achten und für Überprüfung offen sind.
  7. An der Seite derjenigen stehen, die keinen Zugang haben. Der Wert offenen Wissens bemisst sich daran, wer es erreichen kann, nicht daran, wer bereits darüber verfügt.

Aufruf zum Handeln

Wir laden jeden Menschen und jede Organisation ein, die vorliegende Erklärung zu unterzeichnen.

Mit Ihrer Unterschrift schließen Sie sich einer wachsenden Gemeinschaft von Erbauern an: Bibliothekarinnen, Pädagogen, Forschern, Entwicklerinnen, Archivarinnen, Journalisten, Bürgerinnen und Bürgern, die daran arbeiten, dass Wissen offen bleibt. Wenn Ihre Einrichtung, Ihr Projekt oder Ihre Gemeinschaft diese Prinzipien teilt — erklären Sie es offiziell.

Lesen Sie den vollen Text, setzen Sie Ihre Unterschrift und teilen Sie: folkup.app/declaration

Diese Erklärung unterzeichnen

Fügen Sie Ihren Namen der wachsenden Gemeinschaft von Erbauerinnen und Erbauern hinzu, die daran arbeitet, das Wissen offen zu halten.

Ihre Daten werden ausschließlich zur Bestätigung der Unterzeichnung verarbeitet. Sie können Ihre Unterzeichnung jederzeit zurückziehen. Siehe Datenschutzerklärung.

Eine Initiative von FolkUp — Wissen, geordnet.

Die vorliegende Erklärung ist ein lebendes Dokument, das der periodischen Überprüfung und Aktualisierung durch die Unterzeichnenden unterliegt.

Version 1.2 — März 2026